WM 2014: Deutschland gegen Portugal

16. Juni 2014 um 23:26 Uhr unter WM 2014

Was für ein Spiel! Und was für eine Siegesfeier! Bin gerade erst nach hause gekommen, obwohl das Spiel doch schon um 20 Uhr beendet war. Doch – der Reihe nach.

Da all meine menschlichen Freunde und Arbeitskollegen so von diesem Spiel geschwärmt haben, dachte ich mir, das wäre jetzt der richtige Zeitpunkt um das oft erwähnte Public Viewing auszuprobieren. Falls jemand den Begriff nicht kennt: Public Viewing  bedeutet, dass viele Menschen an einem öffentlichen Ort zusammenkommen und sich dort gemeinsam etwas auf einer riesigen Leinwand angucken. So ähnlich wie im Kino, aber unter freiem Himmel.

Und tatsächlich gibt es selbst in der vergleichsweise kleinen Stadt, in der ich wohne, eine ganze Reihe von Orten, an denen dieses  Public Viewing angeboten wurde. Ich habe mich dann aber bewusst nicht für die größte Leinwand, sondern für einen der kleineren Orte entschieden. In diesem Fall ein Gasthaus, an dessen Außenwand eine übergroße Leinwand befestigt war. Davor gab es viele Tische, Stühle und Bänke und natürlich auch jede Menge alkoholischer Getränke.

Die Idee mit dem  Public Viewing hatte ich eher spontan, und so hatte ich meiner Clique nur eine kurze Nachricht geschickt, und das auch noch relativ kurzfristig. Trotzdem ließen sie mich nicht im Stich und waren sogar noch vor mir vor Ort.

Sie Stimmung war schon vor dem Spiel sehr angenehm und die Menschen behandelten uns sehr anständig. Niemand schien sich daran zu stören, dass sich ein paar Goblins unter die Zuschauer gemischt hatten. Im Gegenteil: Man machte uns sogar uns extra Platz, damit wir die Partie trotz unserer geringeren Größe in voller Pracht genießen konnten.

Also bestellten wir einen großen Schluck gegen den Durst (obwohl es heute gar nicht so heiß war) und dann ging es auch schon los.

Beide Teams zeigten sich zu Beginn von ihrer besten Seite: In schönen, schnellen Angriffe arbeiteten sie sich nach vorne und es gab in den ersten Minuten bereits viele Torschüsse und erste Chancen für beide Seiten.

So zum Beispiel in der 10. Minute, als Deutschland nach vorne stürmte, sich geschickt vors Tor kombinierte und der deutsche Stürmer dann – im Strafraum gefoult wird und zu Boden geht. Eine gelbe Karte gegen Portugal und ein Elfmeter für Deutschland sind die logischen Folgen, Deutschland nutzt die Chance: 1:0 in der 12. Minute.

Hier sei noch ewähnt, dass einige Spieler Portugals gegen den Elfmeter protestierten, doch nach genauer Betrachtung der Wiederholung erscheint mir die Entscheidung völlig in Ordnung.

Und wer gedacht hat, dass Portugal nach dem frühen Rückstand aufgeben würde, der lag weit daneben. Sie kämpften nur um so verbissener und attackierten den deutschen Spielaufbau schon sehr früh. Trotzdem schafft es Deutschland weiter nach vorne, wenn auch deutlich mühsamer als zuvor.

Im Kontrast dazu fällt auf, dass sich Deutschland zum Verteidigen viel weiter zurückzieht und den Gegner erst in der eigenen Hälfte attackiert. Hier wollten sie wohl einen schnellen Gegentreffer um jeden Preis verhindern, und der Plan geht vorerst auf.

Doch dann, eine knappe Viertelstunde später, schafft es Portugal mit einem langen Pass nach vorne doch bis vor das deutsche Tor: Der Torschuss aus zwanzig Metern verfehlt das Tor nur knapp und saust unhaltbar über die Latte. Schrecksekunde bei den deutschen Zuschauern, doch es ist ja nochmal alles gut gegangen.

Und die Antwort Deutschlands lässt auch nicht lange auf sich warten. Ein schneller Angriff über rechts kann zwar kein Tor erzielen, dafür aber eine Ecke. Es folgt eine perfekte Flanke zentral vors Tor, ein Kopfball und Toooooor! 2:0.

Die Stimmung hier beim Public Viewing ist mit jedem Tor deutlich gestiegen, doch die Stimmung der portugisischen Spieler anscheinend nicht. In der 37. Minute geht zunächst ein Deutscher im Laufduel mit einem Portugiesen zu Boden, nachdem er dessen Hand hart ins Gesicht bekam – eine Szene, die zunächst einmal nicht gepfiffen wurde. Doch während das Spiel weiterläuft und der Ball längst ganz woanders ist, geht der Portugiese zu dem am Boden sitzenden Deutschen zurück, provoziert ihn stark und gibt ihm schließlich einen leichten Kopfstoß.

Das hat nun auch der Schiedsrichter mitbekommen und unterbindet die wütende Reaktion des Deutschen mit schrillen Pfiffen und das hähmische Grinsen des Portugiesen mit einer roten Karte gegen ihn. Den anschließenden Freistoß kann Deutschland zwar nicht verwerten, doch Portugal spielt von nun an nur noch zu zehnt.

Ehrlich, die Szene kann ich absolut nicht verstehen. Was hat sich der portugisische Spieler nur dabei gedacht? Dass eine derartige Aktion eine rote Karte zur Folge hat, sollte ine Profifußballspieler wissen, und dass eine rote Karte dem eigenen Team nicht gerade hilft, ebenfalls.

Ich meine: Klar, auch bei uns Goblins gibt es mal das eine oder andere regelwidrige Foul. Das wird dann auch gepfiffen, es gibt Freistoß und vielleicht wird mal eine Karte verteilt. Aber da bleibt trotzdem alles im Rahmen, denn es geht immer um das eigentliche Ziel des Spiels, nämlich Tore zu schießen (oder eben zu verhindern, dass der Gegner den Ball ins Netz haut). Eine solche Aktion abseits des Spielverlaufs ist mir jedoch völlig unverständlich.

Trotzdem ging das Spiel weiter, wenn auch auf dem Platz mit merklich gedämpfter Stimmung, während die Menschen um mich herum nur die Schultern zuckten oder den Kopf schüttelten und dann mit einem lauten Schland! auf die zwei Tore anstießen.

Und der nächste Grund zum Anstoßen und Feiern ließ auch nicht lange auf sich warten: In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit gab es zunächst einiges Hin und Her vor dem portugisischen Tor, dann endlich eine Flanke und freies Schußfeld für den deutschen Stürmer. Der Torward ist zwar noch mit dem Fuß dran, aber dann ist der Ball auch schon im Netz: 3:0.

Anschließend wurde der 3:0 Halbzeitstand nun erst recht gefeiert und wir Goblins haben uns von der guten stimmung mitreißen lassen. Vielleicht habe ich dabei das eine oder andere Glas zuviel getrunken, denn an die zweite Halbzeit kann ich mich kaum noch erinnern, obwohl ich mich jetzt schon wieder völlig nüchtern fühle.

Jedenfalls wirkte Portugal zu Beginn der zweiten Halbzeit schon fast verzweifelt, während Deutschland zwar mit leicht vermindertem Tempo, aber doch stabil und souverän das Spiel beherschte.

Natürlich gab es weiter gute Aktionen auf beiden Seiten, aber während Deutschland auf Ballbesitz und Kombinationen setzte (teilweise auch etwas zu kompliziert), versuchte sich Portugal eher in schnellen Kontern – wenn sie denn mal an den Ball kamen.

Für Aufregung sorgte dann eine Szene in der 75. Minute. Nach einem schnellen Konter Portugals und einem Torschuss, der vom Torward jedoch geblockt wurde, wollte sich ein Portugiese den Ball schnappen und zum Nachschuss ansetzen. Doch ein deutscher abwehrspieler war schneller, traf den Ball – und leider auch den Portugiesen, der im Strafraum zu Boden ging.

Trotzdem gab es dann keinen Elfmeter; eine Entscheidung, die durchaus fragwürdig war, jedoch (meiner Meinung nach) die einzige Fehleinschätzung des Schiedsrichters in diesem Spiel.

In Portugal wird man sich mit dieser Szene sicher ausführlicher beschäftigen, doch in Deutschland schenkte man eher der 78. Minute die volle Aufmerksamkeit: Hier blockte der Torward Portugals einen Torschuss im Fallen, doch der Ball prallte ab, ein deutscher Stürmer schnappte ihn sich und schob ihn am Torward vorbei ins Tor: 4:0 und große Begeisterung bei den deutschen Fans.

Bemerkenswert war dann nur noch ein Freistoß Portugals in der 85. Minute, etwa dreizig Meter vom Tor entfernt. Die Mauer wurde nur von einem einzelnen deutschen Spieler gebildet, doch der Portugiese schaffte es, ihm den Ball voll gegen die Beine zu schießen. Leichte Schadenfreude war die Folge bei den  deutschen Fans, Frust die bei den Spielern Portugals.

Nach einer turbulenten ersten Halbzeit folgte also eine eher ruhige zweite, in der aber trotzdem viel gelacht und getrunken wurde. Und die anschließende Feier (inklusive Autokorso mit lautem Gehupe, einmal durch die Innenstadt und dann im Kreis herum) war wirklich sehenswert.

So, jetzt muss ich aber schnell ins Bett. Der Wecker wird morgen früh unbarmherzig genug sein. Aber egal: Beim nächsten Public Viewing bin ich mit Sicherheit wieder dabei.

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