Weihnachtsspecial

Weihnachten? Das ist doch nur was für Menschen! Wir Goblins feiern kein Weihnachten.

Geschenke? Klar hätte ich gerne Geschenke! Aber selber was verschenken? Neee! So etwas machen wir nicht. Wir sind Goblins! Wir stehlen, rauben und plündern, aber wir verschenken nichts. Niemals!

Und falls ihr jemals etwas von dem kleinen Goblin hört, der Weihnachten gefeiert hat: Das ist doch nichts weiter als eine uralte Legende! Wie? Ihr wollt sie trotzdem hören? Hm, na gut. Aber ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass da auch nur ein Funken Wahrheit dran ist. Wir Goblins feiern doch schließlich kein Weihnachten!

 

Der kleine Goblin – eine Weihnachtsgeschichte

Es war einmal, vor langer, langer Zeit, irgendwo in einem fernen Goblindorf, ein kleiner Goblin, der unbedingt Weihnachten feiern wollte.

„Du hast zu viel Zeit damit verbracht, die Menschen zu beobachten“, ermahnten ihn seine Eltern streng. „Wir sind aber keine Menschen. Wir sind Goblins! Und Goblins feiern kein Weihnachten.“

„Aber“, jammerte der kleine Goblin, „ich wollte doch nur-“

„Schluss jetzt mit diesem Unsinn! Ich will kein Wort mehr davon hören!“

Da war der kleine Goblin furchtbar traurig und fing an zu weinen. Doch seine Goblineltern waren unbarmherzig, und so rannte der kleine Goblin schließlich aus der warmen Goblinhütte in den kalten Wintermorgen und suchte seine Goblinfreunde.

„Habt ihr nicht Lust, Weihnachten mit mir zu feiern?“, fragte er sie.

Seine Freunde waren sprachlos. „Weihnachten feiern? Etwa so wie die Menschen?“

„Ja genau“, nickte der kleine Goblin eifrig. „Wir fällen einen Tannenbaum, stellen ihn auf, schmücken ihn und legen kleine Geschenke darunter.“

Seine Goblinfreunde fingen an zu lachen. „Geschenke? Hahaha! Der war gut!“

Da stiegen dem kleinen Goblin Tränen in die Augen. „Ihr wollt auch nicht Weihnachten mit mir feiern?“, fragte er sie schluchzend.

Jetzt bemerkten seine Freunde, dass er es wirklich ernst meinte, und hörten auf zu lachen. „Aber wir sind doch Goblins“, sagten sie tröstend. „Komm, lass uns lieber unseren nächsten Überfall planen!“

Aber der kleine Goblin hatte keine Lust, einen Überfall zu planen, und so ging er einsam weg, tief traurig, weil niemand Weihnachten mit ihm feiern wollte. Wie von allein trugen ihn seine kleinen Goblinfüße über den frisch gefallenen Schnee zu einer kleinen Waldhütte, die von einer Menschenfamilie bewohnt war.

Er kam oft hierher, um die Menschen zu beobachten, und dabei hatte er auch von ihrem Brauch erfahren, jedes Jahr im tiefsten Winter einen Tannenbaum zu fällen, ihn zu schmücken und dann gemeinsam Weihnachten zu feiern.

Vor der Hütte war niemand zu sehen, und so schlich der kleine Goblin näher an die Hütte heran, kletterte auf eine Schneewehe und presst sein kleines, grünes Goblingesicht an die mit einer dünnen Eisschicht bedeckte Fensterscheibe, um hineinzuspähen.

Drinnen loderte ein warmes Feuer im Kamin und die Menschenfamilie war eifrig mit Vorbereitungen für das Weihnachtsfest beschäftigt. Der Vater hatte einen kleinen Tannenbaum aus dem Wald geholt, im Wohnzimmer aufgestellt und setzte ihm nun einen goldenen Stern auf die Spitze. Die Mutter befestigte glänzende Kugeln an den Zweigen des Baums, während die beiden Menschenkinder bunte Bilder von niedlichen Tieren malten und diese in den Baum steckten.

Der kleine Goblin war so versunken in die Beobachtung dieser Szene, dass er gar nicht merkte, wie die Zeit verging und die fahle Wintersonne immer höher stieg. Als es Mittag wurde, beendete die Menschenfamilie ihre Arbeit, um zu kochen und Mittag zu essen. Dazu verließen sie das Wohnzimmer und nahmen im Nebenraum an einem großen Esstisch Platz, wo er sie nicht mehr sehen konnte.

Jetzt bemerkte der kleine Goblin erst, wie kalt es ihm geworden war, denn die schwache Wintersonne konnte ihn nicht wärmen. Als er schließlich vor Kälte anfing zu zittern, schlüpfte er – ohne groß darüber nachzudenken – durch das Fenster in die Menschenhütte und eilte zum Kamin, um sich aufzuwärmen.

Dabei sah er sehnsüchtig zu dem kleinen Weihnachtsbaum hinüber, der jetzt so schön geschmückt war. „Ach, wenn ich doch auch so einen schön geschmückten Tannenbaum hätte“, dachte er sich. „Dann würden meine Eltern und meine Freunde sicher auch mit mir Weihnachten feiern wollen.“

Da schlich sich ein neuer Gedanke in seinen Goblinkopf. Was, wenn er ihn jetzt einfach stehlen würde? Ja, das wäre die Lösung! Für alles! Denn dann könnte er auch endlich Weihnachten feiern, so wie er es immer gewollt hatte!

Schnell waren Kälte und Müdigkeit vergessen. Er schlich zu dem geschmückten Tannenbaum, wuchtete ihn sich über die kleinen Goblinschultern, ignorierte das schwere Gewicht des Baums und rannte los. So schnell ihn seine kleinen Beine trugen. Zur Tür hinaus, über Schneewehen und Eis hinüber und weiter, immer weiter, zurück zu seinem Dorf.

Er hatte es fast erreicht, als er endlich erschöpft anhalten musste, um Luft zu holen, sein wild klopfendes Herz zu beruhigen und wieder zu Atem zu kommen. Er sah zurück, doch niemand folgte ihm, und der Wind würde seine Spuren bald verwischt haben.

„Endlich“, sagte er ehrfurchtsvoll, während er den geschmückten Baum ansah, „mein eigener Weihnachtsbaum“.

In diesem Moment hörte er seine Freunde in der Ferne und rief sie vergnügt zu sich: „Schnell, kommt her! Das müsst ihr euch ansehen!“

Natürlich eilten seine Goblinfreunde sofort zu ihm und starrten verwundert den geschmückten Tannenbaum an. „Was ist das denn?“, wollten sie wissen.

„Ein Weihnachtsbaum“, verkündete der kleine Goblin strahlend. „Ist er nicht wunderschön?“

Die Freunde sahen sich unsicher an. „Und was macht man damit?“

„Na wir können jetzt Weihnachten feiern!“, rief der kleine Goblin glücklich.

„Hahaha“, lachten seine Freunde wieder. „Wir feiern doch gar kein Weihnachten!“

Dem kleinen Goblin stiegen wieder Tränen in die Augen. „Ihr wollt immer noch nicht Weihnachten mit mir feiern?“, schluchzte er. „Nicht einmal jetzt, wo wir einen so schönen Weihnachtsbaum haben?“

„Aber wir sind doch Goblins“, sagten seine Freunde wieder. „Und du bist auch einer. Denn du hast den Baum doch sicher irgendwo geklaut, oder nicht?“

Der kleine Goblin war wie betäubt, nickte aber schließlich.

„Na siehst du. Sowas machen wir Goblins eben: Wir schenken nicht – wir stehlen. Und deine Anstrengungen haben sich auch gelohnt. Sieh mal, die goldene Spitze sieht richtig wertvoll aus. Die Kugeln auch. Und den Rest können wir einfach zu Feuerholz verarbeiten.“

Bei dem Gedanken, dass der schön geschmückte Weihnachtsbaum verbrannt werden sollte, bekam der kleine Goblin einen Schreck. „Waaas? Ihr wollt ihn verbrennen?“, fragte er bestürzt.

Aber bevor seine Goblinfreunde etwas erwidern konnten, rief er wütend: „Nein, auf gar keinen Fall. Wenn ihr nicht mit mir Weihnachten feiern wollt, dann feiere ich eben alleine. Los, verschwindet!“

Seine Freunde wollten ihn beruhigen und redeten auf ihn ein, aber der kleine Goblin war so aufgebracht, dass er schließlich den Tannenbaum wieder über seine Schultern wuchtete und sie einfach stehen ließ.

Nach einigen Minuten hielt er an und sah sich um. Nun war er ganz alleine.

Er setzte sich vor dem geschmückten Baum und betrachtete ihn. Er war so wunderschön. Aber hatten seine Freunde nicht doch Recht gehabt? Er war ein Goblin, denn er hatte ihn gestohlen. Aber wenn die Menschen Weihnachten feierten, dann stahlen sie nicht, sondern sie schenkten. Wie sollte er also jetzt Weihnachten feiern?

Völlig verwirrt nahm der kleine Goblin den Tannenbaum wieder auf seine Schultern und ging gedankenversunken zurück zu der Hütte der Menschenfamilie. Dort angekommen blieb er unsicher stehen. Was sollte er jetzt nur tun?

Aus Gewohnheit schlich er wieder z seinem Platz am Fenster und spähte hinein. Das Bild, was sich ihm bot, war ein völlig anderes, als noch vor wenigen Stunden: Die Familie saß tief betrübt am festlich gedeckten Tisch und die beiden Kinder weinten fürchterlich. Ihre Eltern versuchten, sie mit lecker duftenden Weihnachtsgebäck zu trösten, doch das konnte ihre Trauer um den Verlust des liebevoll geschmückten Tannenbaums nicht lindern.

Der kleine Goblin wich schockiert von dem Fenster zurück und fiel dabei rückwärts in den Schnee. Nein, das hatte er nun wirklich nicht gewollt! Er hatte doch nur selbst ein wenig Weihnachten feiern wollen!

Er sah betreten nach unten. Aber es hatte nicht funktioniert. Er war neidisch gewesen auf die Menschen, weil sie so schön Weihnachten feierten. Das hatte er auch gewollt, aber dabei hatte er nur an sich selbst gedacht. Keine Sekunde lang hatte er überlegt, welche Auswirkungen sein Diebstahl auf die beiden Kinder und den Rest der Menschenfamilie haben könnte.

Aber nun wusste er es.

Entschlossen stand er auf. Er würde seinen Fehler korrigieren! Er nahm den erbeuteten Tannenbaum, ging um das Haus herum zur Tür der kleinen Hütte und stellte den Baum davor. Doch dann zögerte er wieder.

Wie würden die Menschen wohl reagieren, wenn sie erfuhren, dass er es gewesen war, der ihnen so viel Kummer bereitet hatte? Er könnte den Weihnachtsbaum einfach hier stehen lassen und verschwinden. Das wäre viel leichter. Andererseits…

Wer konnte schon sagen, wann die Menschenfamilie den Baum hier draußen finden würde? Vielleicht würden wilde Tiere kommen, um ihn aufzufressen, oder vielleicht würde er erneut gestohlen werden. Er selbst wäre dann zwar weit weg und in Sicherheit, aber währenddessen würden die beiden Menschenkinder immer noch da drinnen am Tisch sitzen und weinen.

„Nein“, sagte sich der kleine Goblin, „diesmal renne ich nicht davon. Egal was auch passiert, ich habe den Weihnachtsbaum gestohlen, und ich werde die Strafe akzeptieren.“

Und so klopfte der kleine Goblin tapfer dreimal laut an die Tür. Sofort hörte er drinnen Stimmen und feste Schritte, die sich der Tür näherten. Sie öffnete sich und der Vater der Familie kam heraus, in der Hand einen großen Stock, den er bedrohlich erhoben hatte.

„Ich.. ich… Es tut mir leid“, stammelte der kleine Goblin ängstlich. Dann sprudelten die Worte nur so aus ihm heraus: „Ich wollte das nicht! Ich wollte doch nur auch einmal Weihnachten feiern, aber meine Freunde haben mich ausgelacht, weil wir Goblins ja kein Weihnachten feiern, und alleine kann ich doch nicht Weihnachten feiern und jetzt weinen die kleinen Kinder, weil ich ihren Weihnachtsbaum gestohlen habe, den sie so schön geschmückt haben, aber das wollte ich doch gar nicht, wirklich nicht!“

Der Familienvater sah ungläubig von dem kleinen Goblin zum Tannenbaum und zurück. „Du hast unseren Weihnachtsbaum gestohlen?“, brachte er schließlich hervor.

„Ja“, gab der kleine Goblin kleinlaut zu, „das habe ich. Und ich werde die Strafe dafür akzeptieren.“

Mittlerweile war auch der Rest der Menschenfamilie an der Tür angekommen. Sie alle hatten seine Geschichte gehört und sahen ihn nun ebenfalls erstaunt und ungläubig an.

Der Vater dachte nach. Er hatte eigentlich vorgehabt, den Dieb, der seinen Weihnachtsbaum gestohlen und seine Kinder so traurig gemacht hatte, windelweich zu prügeln. Aber jetzt, wo der kleine Goblin so elend und unglücklich vor ihm stand – jetzt hatte er plötzlich großes Mitleid mit ihm.

„Komm her, kleiner Goblin“, sagte der Vater der Familie schließlich streng. „Du hast großes Unrecht getan, als du unseren Weihnachtsbaum gestohlen hast, denn damit hast du meine Familie sehr unglücklich gemacht.“ Der kleine Goblin fing an zu zittern, wich aber nicht zurück, während der Vater fortfuhr: „Aber du hast dich umentschieden. Du hast deinen Fehler eingesehen, den Baum zurückgebracht und dich für deine Tat entschuldigt. Dazu gehört viel Mut. Und da heute Weihnachten ist, möchte ich dich für deinen Mut belohnen.“ Er legte seinen großen Stock weg und reichte ihm die Hand. „Komm herein zu uns. Da wir unseren Weihnachtsbaum jetzt wiederhaben, können wir jetzt auch Weihnachten feiern, alle zusammen.“

Jetzt war es an dem kleinen Goblin, ungläubig zu gucken, doch der Vater sah ihn gütig an, die Mutter lächelte und die Kinder lachten und rannten voller Freude um den geschmückten Tannenbaum herum. Da wusste der kleine Goblin, dass er es ernst meinte, und er strahlte über das ganze Gesicht, als er zusammen mit der Menschenfamilie in die kleine Hütte ging und zum ersten Mal in seinem Leben Weihnachten feiern durfte.

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